Energiekampf in der Kommunikation

Hinter der zwischenmenschlichen Gewalt steht das Bestreben, den anderen Menschen zu kontrollieren und zu beherrschen. Doch was geht in einem Menschen vor, der den Wunsch verspürt einen anderen zu kontrollieren. Wenn zwei Menschen in einem Gespräch aufeinandertreffen (was nur eine alltägliche Situation darstellt), dann gibt es zwei mögliche Resultate: Einer der beiden Gesprächspartner fühlt sich nach dem Gespräch stärker und einer schwächer…

Und weil wir Menschen das unbewusst wissen, neigen wir dazu, eine manipulative Grundhaltung einzunehmen. Egal worum es geht, wir sind immer darauf vorbereitet, alle notwendigen Register zu ziehen um als ”Sieger” aus der Situation hervorzugehen, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Gelingt es uns unseren Standpunkt durchzusetzen, fühlen wir uns bestärkt, gelingt es uns nicht, meinen wir an Kraft zu verlieren. Das heißt, wir versuchen uns nicht nur gegenseitig zu kontrollieren um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern auch um dadurch einen gewissen Energieschub zu erhalten.

 

Der Kampf um Energie:

Je stärker wir uns dieser zwischenmenschlichen Dynamik bewusst werden, desto deutlicher erkennen wir, dass auf diese Weise gewonnene Energie gewöhnlich nicht lange anhält. Der Grund dafür liegt darin, dass die wahre Energie aus einer universellen Quelle stammt und nicht durch das „Anzapfen“ meiner Mitmenschen. Das Bedürfnis ”Kontrolle ausüben zu müssen” um Energie zu erhalten entstammt unserer frühesten Kindheit. Als Kinder sind wir, nur um zu überleben, auf die Fürsorge Erwachsener angewiesen und es entwickelt jedes Kind seine eigenen Methoden, um Energie aus dem System Familie an sich zu ziehen. In frühester Kindheit stehen uns jedoch nur wenige Maßnahmen zur Verfügung, um jene unerfreulichen Folgen zu bekämpfen, die sich gewöhnlich einstellen, wenn wir ignoriert, lächerlich gemacht oder kritisiert werden. Mit zunehmenden Wachstum beginnen die negativen Begegnungen unsere Erwartungshaltung gegenüber der Außenwelt zu beeinflussen. Wir empfinden ein Defizit und ein natürliches Verlangen, dieses Defizit durch Energie von anderen Menschen auszugleichen.

 

Ego-Zustände:

In der Transaktionsanalyse kennen wir mehrere Ego-Zustände. Je nachdem wie uns unser bisheriges Leben prägte, befinden wir uns in verschiedenen Verhaltensformen:

  • Eltern-Ego
  • Kinder-Ego
  • Erwachsenen-Ego

Es gibt hier noch für jeden der genannten Ego-Zustände noch Untergruppen, aber ich bleibe auf dieser obersten Ebene. Wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst agiert ein Eltern-Ego eher vorurteilsvoll, selbstgerecht oder übermäßig beschützend, ein Kinder-Ego eher schuldbewusst und schwach. Und wie du dir wahrscheinlich weiter vorstellen kannst ist die beste Kommunikation aus dem Erwachsenen-Ego heraus. In diesem Ego-Zustand halten wir uns im Hier und Jetzt auf. Wir sind uns unserer Gefühle bewusst und wissen, dass wir im Leben mehrere Möglichkeiten haben. Wir sind in der Lage in Betracht zu ziehen, was andere zu unseren Vorhaben zu sagen haben, vertrauen jedoch auf unser eigenes Urteilsvermögen wenn es um die endgültige Entscheidung geht.

Wir können abweichende Meinungen zur Kenntnis nehmen, ohne uns bedroht zu fühlen, wobei wir das Gefühl haben, als würden wir entweder gewinnen oder verlieren. Wir wissen je offener wir für den Ausgang von Ereignissen sind, desto mehr wird uns enthüllt werden.

 

Die Energiequelle des Erwachsenen-Egos:

Machtkämpfe scheinen immer nur dann aufzutauchen, wenn wir der Ansicht sind durch Manipulation anderer Energie zu verlieren und uns dagegen zur Wehr setzen müssen, um die Kontrolle über die Situation zu behalten. Um dieses Kontrollbedürfnis abzulegen, ist es am sinnvollsten sich auf die eigenen Gefühle zu konzentrieren, sobald wir merken, dass wir an Energie verlieren. Es ist nicht notwendig die andere Person zu analysieren oder zu verändern. Wir brauchen uns nur folgende Fragen stellen:

  • Was fühle ich jetzt, in diesem Augenblick?
  • Was benötige ich jetzt, in diesem Augenblick?

Haben wir unser eigenes Selbst erst einmal kontaktiert, so haben wir auch Kontakt zu unserem Erwachsenen-Ego aufgenommen. Auf diese Weise verlagern wir unsere Aufmerksamkeit darauf, sich mit der universellen Energiequelle zu verbinden.

  • Achte daher auf den Austausch von Energie.
  • In wessen Gegenwart blockierst du deine Energie?
  • In welcher Gegenwart haltest du dich in der Position des Erwachsenen-Egos auf

Ein Bewusstsein darüber zu gewinnen, wie wir mit anderen im Wettstreit um Energie stehen, ist der erste Schritt zur Rückgewinnung unserer Kraft und somit der universellen Energiequelle. Dieses neue Bewusstsein lässt uns erkennen, dass Menschen häufig dazu neigen, sich von ihrer inneren Verbindung mit der mystischen Energie abzuschneiden. Als Resultat daraus fühlen sie sich geschwächt und verunsichert und versuchen Energie von  anderen Menschen abzuzweigen. Gelingt es, fühlen wir uns dabei gut, gelingt es uns nicht fühlen wir uns dabei schwach. Jetzt wirst du dir vielleicht denken: „Was nützt es wenn ich im Erwachsenen-Ego bin mein Gegenüber aber nicht?“. Und Antwort ist offensichtlich. Du kannst andere nicht ändern, du kannst nur bei dir bleiben und das Erwachsenen-Ego vorleben. Es wird den anderen „anstecken“.

In diesem Sinne wünsche ich dir energetisch ausgeglichene, erwachsene Gespräche

 

Namaste

Anutosho

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