Vom ICH kontrolliert.

Von mir und auch bestimmt schon von vielen anderen hast du vielleicht schon gehört oder gelesen, dass es beim spirituellen Weg darum geht, sich von seinem ICH zu lösen, von der ICH-Fixierung oder deinem Ego. Vielleicht hast du auch schon solche Momente der Ich-Erlösung erfahren und bist dann aber trotzdem wieder in diese ICH-Fixierung hinein gefallen. Warum passiert uns das immer wieder und warum können wir den Zustand der Ichlosigkeit, wenn wir ihn erst mal erfahren haben nicht halten?

Das liegt daran, dass wir meist bei den ersten Erfahrungen der Ichlosigkeit in einem sehr entspannten Zustand waren, vielleicht sogar in einer Gruppe. Da sind wir dann frei von äußeren Ablenkungen, können uns leichter fallen lassen und auch los lassen. Da kann es dann schon mal passieren, dass du in den Zustand der Ichlosigkeit kommst, und wenn es auch nur für Sekunden ist. Wenn das so ist, bekommst du einen ersten Vorgeschmack davon wie befreiend es ist nicht vom ICH kontrolliert zu werden. Doch dann ist mit Ende der Meditation, des Seminars, des Satsangs oder was auch immer dieser Zustand auch schon wieder weg, uns so schnell könntest du gar nicht schauen und das ICH hat wieder das Kommando übernommen.

Aber verzweifle nicht das ist ganz normal. In unserem Alltag sind wir ständig von unserer Außenwelt gesteuert: Es wird etwas von dir erwartet, du musst bis zu einem bestimmten Termin gewisse Aufgaben erledigt haben, u.s.w. Aber auch von unserer Innenwelt kommt diese Steuerung: Ich muss dem oder das gerecht werden, ich darf dieses oder jenes nicht tun, ich kann doch nicht einfach…

Und diese Steuerungen oder auch Programmierungen halten uns so im ICH gefangen, dass es uns völlig normal erscheint. Die meisten Menschen denken nicht einmal mehr darüber nach, das ist einfach so, das ist das Leben – meinen sie.

Doch frag einmal einen Ureinwohner in Australien oder in Afrika, der im Einklang mit der Natur und Mutter Erde lebt. Der kann das Leben der zivilisierten Menschen in keinster Weise nach vollziehen, warum diese Menschen sich so von sich selbst steuern lassen wie Marionetten im Puppentheater.

Aber wenn du schon so einen Vorgeschmack der Ichlosigkeit bekommen hast und dauerhaft in diesem Zustand der befreiten Ichlosigkeit verweilen möchtest, dann braucht es zunächst mal viel Durchhaltevermögen und vor allem aber die innere Sehnsucht.

Was du versuchen kannst damit du dauerhaft von deinem ICH los kommst, ist, dass du zunächst mal den inneren Beobachter in dir erweckst und durch ihn mal zunächst einfach nur beobachtest, was dein ICH mit den Dingen wie Wut, Hass, Trauer, Angst, Liebe oder was auch immer auftaucht im Hier und Jetzt damit macht. Was macht das ICH damit. Versuche der Beobachter deiner Selbst zu werden. Das erscheint zunächst mal, wenn du das noch nie gemacht hast, etwas schizophren. Ich beobachte mich, wie ich mit Gefühlen und Emotionen umgehe. Und versuche in die Beobachtung eine Wertlosigkeit hinein zu legen. Das heißt bewerte es nicht, beobachte einfach nur. Betrachten wir das einmal am Beispiel der Wut. Wenn durch eine Situation in deinem System (Nennen wir dich in diesem Beispiel der Einfachkeit halber „Max“) Wut aufgerufen wird, können je nach deiner Programmierung und des Wutauslösers folgende Reaktionen ausgelöst werden.

       ·         Du frisst die Wut in dich hinein, es schnürt dir den Hals zu, sodass du nicht einmal etwas sagen kannst, oder

       ·         Du explodierst, brüllst dein Gegenüber an und wirfst mit Beschuldigungen nur so um dich, oder

       ·         Du wirst vielleicht sogar aggressiv, schmeißt mit Dingen um dich und greifst dein Gegenüber vielleicht sogar körperlich an.

Egal wie das Muster auch immer aussehen mag, versuche das als dein Beobachter zu beobachten: Wie geht der Max nun mit dieser Wut die aufgetaucht ist um? Und beobachte dies wertfrei, ohne zu beurteilen, ob diese Reaktion gut oder weniger gut ist, um das geht es dabei nicht. Versuche durch die Beobachtung die Muster dahinter zu erkennen, welche Knöpfe wurden jetzt beim Max gedrückt, damit er so reagiert wie er reagiert. Sprich über dich selbst ruhig in der dritten Person zu dir, dann ist der Abstand leichter zu wahren.

Wenn du das immer öfter und öfter praktizierst ist das ein erster Schritt, um dich von der ICH-Kontrolliertheit zu lösen. Doch das ist wie gesagt nur ein erster Schritt – und es muss nicht unbedingt dieser sein, das ist ein möglicher Schritt.

Denn Fakt ist: Wenn der Beobachter wahrnimmt, was der Max mit den aufsteigenden Gefühlen und Emotionen tut, ist da eben immer noch jemand der beobachtet. Und in der Ichlosigkeit ist da aber gar niemand mehr. Aber das wirst du dann selbst erkennen, wenn du dich als Beobachter eine Zeit lang selbst beobachtest. Dann wirst du erkennen, dass auch der Beobachter du bist, der etwas beobachtet.

Wenn es dir nun gelingt auch diesen Beobachter fallen zu lassen, dann sind da einfach nur mehr Gefühle und Emotionen, die im Hier und Jetzt auftauchen, mit denen aber keiner mehr etwas tut, weil keiner mehr da ist der etwas tun will. Es gibt dann nicht einmal mehr einen Beobachter der darauf aufpasst, was nun passiert, weil es dann nämlich völlig „wertlos“ ist, ob etwas passiert oder nicht. Was übrig bleibt ist dann das Wahrnehmende, dass auftauchende Gefühle und Emotionen wahrnimmt und auch dessen Verschwinden wieder wahrnimmt, ohne Bewertung, ohne irgend etwas festhalten zu wollen, oder etwas wegschieben zu wollen, oder etwas unterdrücken zu wollen.

Dann bist du frei vom ICH und kannst die Welt sehen wie sie wirklich ist. Nämlich, dass alles was da im Hier und Jetzt auftaucht nichts mit Dir zu tun hat, da dein Ich nur eine Einbildung, eine Illusion ist und dadurch gibt es nichts Persönliches mehr . Und sobald du im Zustand der Unpersönlichkeit bist, bist du frei und hast den inneren Frieden gefunden, der schon immer da war. Er wurde bis dahin nur vom Ego verdeckt.

 

Namaste

Anutosho

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