Stille im Außen ist nicht gleich Stille im Innen

Vielleicht kennst du das. Du lebst in einer hektischen Welt von Sinnesüberreizungen. Du sehnst dich immer öfter nach Ruhe, willst einfach nur weg vom Trubel. Dann versuchst du es zunächst mal so, indem du einen ruhigen Ort aufsuchst, vielleicht hast du es auch schon mit Meditation versucht, wie auch immer, du hast dich in die Stille im Außen begeben. Und obwohl im Außen absolute Stille herrscht, bist du trotzdem nicht ruhig, weil in deinem Inneren immer noch hektischer Betrieb herrscht. Betrieb deiner Gedanken...

 

Das Gedankenkarussell dreht sich weiter und nicht nur das, du hast sogar das Gefühl es dreht sich jetzt noch viel schneller und intensiver als vorher. „Aber warum ist das so, warum kann ich nicht still werden und warum dreht sich das Gedankenkarussell nun noch schneller?“, fragst du dich vielleicht. Und es ist tatsächlich so, das Gedankenkarussell dreht sich wirklich schneller und intensiver. Warum? Weil du dem Gedankenkarussell nun deine ganze Aufmerksamkeit schenkst. Und das worauf wir uns fokussieren, das verstärken wir. Ich habe schon öfters über die 3 Geistesgifte gesprochen: Festhalten, Wegschieben und Unterdrücken. Diese spucken uns auch hier wieder in die Suppe.

Weil unser Geist derart dominiert wird von diesen Geistesgiften, haben wir zunächst keine Chance das Gedankenkarussell zu stoppen. Stell dir vor du stehst wirklich vor einem Karussell und an jeder Position des Karussells sitzt einer deiner Gedanken, die nun in der (äußeren) Stille in deinem Geist an dir vorüber ziehen. Nun sind da sehr schöne Gedanken und Erinnerungen am Karussell, die du gerne anhalten möchtest und manche sind natürlich nicht so schön und machen dir vielleicht sogar Angst. Diese willst du entweder schnell weiterdrehen oder aus dem Karussell entfernen. Doch wie das so ist bei einem Karussell, jede Position kommt immer und immer wieder. Und somit bist du der gefangene Zuschauer dieses Karussells und zwar weil du dich mit diesen Positionen des Karussells identifizierst.

Vor einem wirklichen Karussell am Rummelplatz käme es dir niemals in den Sinn dich mit dem Pferd oder dem Drachen zu identifizieren, der gerade mit dem Karussell vorbei fährt, aber bei deinem Gedankenkarussell ist das genau umgekehrt. Das ist mein schönes Pferd und mein Drache, vor dem ich mich fürchte, u.s.w. Kinder tun sich hier noch wesentlich leichter. Für Kinder sind es eben nur Pferde und Drachen, die vorbei ziehen, das nur im Augenblick des Vorbeiziehen betrachtet wird und dann sofort wieder aus dem Sinn des Kindes entschwindet; weil das Kind das Pferd oder den Drachen nicht bewertet, eingeordnet und etikettiert hat. Doch im Laufe unseres Erwachsenwerdens haben wir leider gelernt das zu tun. Und mit dieser Etikettierung findet auch unmittelbar die Identifizierung statt.

Doch in Wirklichkeit sind das beim Gedankenkarussell eben nur Gedanken, die in der Stille auftauchen und wenn du mit ihnen nichts tust (festhalten, wegschieben oder unterdrücken) auch wieder in der Stille verschwinden. Es sind die Gedanken aus deinem Verstand, weil der Verstand mit Stille nichts anfangen kann. In der absoluten Stille kann sich der Verstand nicht identifizieren, weil nichts zum Identifizieren da ist.  Aber genau hier liegt für Dich die große Chance zur Befreiung. Zu diesem Zeitpunkt, wo dein Verstand keinen Anhaltpunkt zu Identifikation hat, genau da öffnet sich für Dich ein Tor zu deinem Innen Selbst, deinem wahren Selbst, das mit der universellen Quelle verbunden ist und weit weit über den Verstand hinausgeht.

Wir im Westen tun uns allerdings schwer in der äußeren Stille auch innerlich wirklich still zu werden, das heißt frei von Gedanken zu werden. Wenn das bei dir auch so ist, bietet sich die Möglichkeit an den Verstand abzulenken, ihn mit Monotonie zu beschäftigen. Eine Möglichkeit dafür sind Bewegungsmeditationen oder Atemmeditationen, wo du deinen Verstand während der Meditation bewusst mit monotonen Dingen beschäftigst. Bei monotonen Dingen steigt der Verstand dann irgendwann aus, weil es ihm zu langweilig wird und dann stehst du vor dem Tor zum inneren Selbst. Und wenn du dann im absoluten Geschehenlassen verweilen kannst, wird sich dein inneres Selbst Dir offenbaren. Eigentlich offenbart es sich ständig, aber du hast bis jetzt durch die Ablenkungen des Verstandes vielleicht verpasst darauf zu achten. Und wenn du durch das Loslassen der Gedanken, mit denen du dich identifizierst, du aber niemals diese Gedanken bist, in diesen Zustand der inneren Stille gelangst, dann kannst du auch den inneren Frieden wahrnehmen, der sich ausbreitet. Und diese Essenz des inneren Friedens ist in jedem von uns immer da, doch zugeschüttet mit unseren 3 Geistesgiften ist dieser innere Frieden nicht mehr in unserem Bewusstsein existent. Doch vertraue mir, er ist da, auch in dir, denn er ist in jedem Lebewesen, jedem Baum, jedem Stein, jeder Blume, jedem Tier und jedem Menschen.

 

Namaste

Anutosho

 

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