Hass: Ich hasse jemanden oder etwas! Aber was steckt dahinter?

Kennst du das Gefühl jemanden zu hassen? Ein Gefühl extremer Abneigung und Ablehnung gegenüber einem anderen Menschen oder einer Institution? Hass entsteht meist aufgrund einer tiefen seelischen Verletzung, wie etwa  einer Trennung oder Verlusterfahrung, der man glaubt ausgeliefert zu sein und gegen die man glaubt, sich nicht wehren zu können. Man fühlt sich also total hilflos und ohnmächtig und gleichzeitig tief verletzt oder angegriffen. Doch was steckt hinter diesem Hass? Woher kommt er und warum empfinde ich ihn? ...

Ich selbst hatte schon das eine oder andere Mal ein Gefühl von Hass. In jungen Jahren öfter und vermehrt. Ich trug ihn oft jahrelang mit mir herum und immer wenn ich darüber sprach, was mir ohnehin schwer genug fiel, spürte ich ihn ganz intensiv, auch wenn der Auslöser eben schon Jahre zurück lag. Und irgendwann fragte ich mich: Warum ist das so, warum hat der Hass eine solche Macht?

Erst nach genauerer Betrachtung war es dann nicht der Hass auf Jemanden, sondern der Hass auf die Geschichte, die ich zu dem Jemanden hatte oder mit dem Jemanden in Verbindung brachte. Und dann kam mir, dass es eigentlich wiederum nicht der Hass auf die Geschichte war, sondern der Hass auf mich selbst, dass ich an dieser Geschichte fest hielt. Hass steht auch oft in Verbindung mit Enttäuschung, und das heißt ja wiederum, dass man ent-täuscht wurde, es war also das Ende einer Täuschung - und wenn du das annehmen kannst, gibt es keinen Hass mehr, sondern Erlösung von der Geschichte. Denn es ist das Ende der Täuschung, das Ende der Geschichte. – Ach, wie befreiend!

Wenn wir hassen, dann geben wir uns "gute" Gründe für den Hass. Wir sehen  den anderen als eine Bedrohung für uns an. Die Hassgedanken nehmen gewöhnlich sehr viel Raum in unserem Alltag ein. Hass wird meist von dem Wunsch begleitet, dem anderen zu schaden und sich zu „rächen“. Häufig mündet der Hass deshalb in aggressivem Verhalten. Und Hass macht blind. Wer hasserfüllt ist, der ist gegenüber vernünftigen Argumenten oder positiven Eigenschaften desjenigen, auf den sich der Hass bezieht, blind. Wenn wir hassen, dann hat das sehr negative Auswirkungen auf unser emotionales Befinden und unseren Körper. Wir sind angespannt, chronisch gereizt und feindselig, haben Schlafstörungen, sind unkonzentriert, finden keinen inneren Frieden.

Erst wenn du die Geschichte (deine Geschichte) dahinter erkennen kannst, wirst du feststellen, dass es immer ein Hass gegen dich selbst ist, weil du an „deiner Geschichte“ fest hälst und nicht loslassen kannst. Aber sobald du das erkennst, wird sich Klarheit einstellen und vielleicht kannst du sogar ein wenig schmunzeln über den Irrweg, den du jahrelang gegangen bist. An diesem Punkt wirst du in der Lage sein zu verzeihen – nicht dem Hassobjekt, sondern dir selbst. Und zum Verzeihen sein noch erwähnt: Verzeihen kannst du sowieso immer nur dir selbst und nie jemand anderen; weil du dir beim Verzeihen deine Konzepte, deine Gedanken, deine Geschichten verzeihst, du verzeihst dir, dass du solange daran festgehalten hast, und kannst zum Zeitpunkt des Verzeihens loslassen.

Aber zurück zum Hass. Wenn du diese Essenz des Hasses einmal erkannt hast, dann kann Hass sich in deiner Realität auch nicht mehr zeigen. Warum? Weil du für jedes Hassobjekt dankbar sein wirst, weil es dich auf eine „deiner Geschichten“ hinweist, die du, wenn du hinschaust, erlösen kannst. Und jede erlöste Geschichte bringt dich näher zum inneren Frieden!

Es gibt ein Zitat von Kierkegaard: „Der Hass ist die Liebe, an der man gescheitert ist.“ Ich würde das noch erweitern in „Der Hass ist die Eigenliebe, an der man gescheitert ist.“

 

Namaste

Anutosho

 

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Kommentare: 1
  • #1

    fritz (Mittwoch, 17 August 2016 09:18)

    Dieser Blog gefällt mir besonders gut und bringt mich dem inneren Frieden näher. Wenn ich es mit der Angst/Furcht auch so halten könnte, dann wäre es perfekt. Johann Wolfgang von Goethe im Faust zitiert: "Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel - dafür ist mir auch jede Freud entrissen, bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen, ...." soll mir sagen, dass als Folge der Furchtlosigkeit die Freudlosigkeit in Kauf zu nehmen ist?