Bewusste Sprache

Wie oft achtest du auf deine Sprache und was die Wörter die du sagst eigentlich für eine Bedeutung haben. Wahrscheinlich nicht so oft, weil wir das auch nicht gelernt haben. Doch in der Sprache und speziell in der deutschen Sprache ist sehr viel Weisheit und Tiefgründigkeit enthalten, wenn man nur genauer hinhört. Und durch das nicht bewusste Erkennen einer Botschaft eines Wortes gehen somit auch viele Erkenntnisse an uns vorbei und wir bleiben weiter im Tal der Illusionierten….

Doch sehen wir uns mal ein paar Worte an, damit du erkennen kannst was ich meine:

Enttäuschung: Dieses Wort wird in der Regel verwendet, wenn wir drauf kommen, dass jemand nicht gehandelt hat wie wir es erwartet haben oder wie der andere es uns hat glauben lassen. Dann sagen wir gerne: „Jetzt bin ich aber sehr enttäuscht von dir“ und empfinden das als negativ. Doch genauer betrachtet ist es genau das Gegenteil. Denn Enttäuschung heißt nichts anderes als: „Das ist nun das Ende der Täuschung“, d.h. nun erkenne ich dein wahres Gesicht, ich lebe nun nicht mehr in einem Irrglauben – und das ist doch etwas Gutes, denn damit sind Missverständnisse ausgeräumt und Klarheit konnte nun einkehren.

Vorstellung: Dieses Wort verwenden wir gerne wenn wir meinen zu wissen wie etwas ist; dann sagen wir: „Meine Vorstellung davon ist so oder so“, und glauben nun zu wissen wie es ist. Doch Vorstellung bedeutet es stellt sich etwas vor etwas. Und wenn wir uns das genauer ansehen, dann stellt sich da ein Konzept vor die eigentliche Wahrheit. Denn eine Vorstellung entsteht ja immer im Verstand und der Verstand kann die eigentliche Wahrheit nicht erkennen, somit stellt er das entwickelte Konzept (die Vorstellung) vor die Wahrheit (dem Sein). Das heißt wiederum eine Vorstellung aus dem Verstand bringt uns eigentlich nicht näher an die Wahrheit sondern verbirgt sie nur noch mehr.

Leidenschaft: Wir kennen alle solche Sätze wie: „Meine größte Leidenschaft ist es, …“ Nun leben wir diese Leidenschaft aus und tun auch alles dafür, weil wir ja dafür brennen und was noch passiert ist das wir diese Leidenschaft irgendwann anfangen zu verdeitigen, denn das ist ja „meins“, „Meine Leidenschaft“ und die lass ich mir nicht nehmen. Du kannst die Bedeutung nun vielleicht schon erkennen: Leidenschaft schafft Leiden. Warum? Weil wir verbissen an etwas festhalten und uns somit gegen den Fluss des Lebens wehren. Am Beginn der Leidenschaft tritt das wahrscheinlich noch nicht zu Tage, weil wir noch im Fluss sind, doch irgendwann ändern sich Lebensumstände, Rahmenbedingungen, dann passt diese Leidenschaft nicht mehr so 1:1 dazu und dann beginnt es zu „klemmen“.

Lehrer: Viele von uns meinen wir brauchen eine spirituellen Lehrer um weiter zu kommen, von dem ich was lernen kann der mir was geben kann. Doch ein wirklich guter spiritueller Lehrer ist nicht einer der dir was gibt, sondern einer der dir alles nimmt, nämlich die Vorstellung davon wie und was du bist, d.h. ein guter spiritueller Lehrer ist eigentlich ein „Leerer“. Wir meinen alle uns fehlt etwas um erleuchtet zu werden, um Frieden zu finden, doch das stimmt nicht. In Wirklichkeit haben wir alle viel zu viel; ein zu viel an Konzepten (soll weg, muss ich festhalten, muss ich unterdrücken)

Nachdenken: Wenn wir über Nachdenken nachdenken (klingt paradox), meinen wir meist damit, dass wir damit die Wahrheit erkennen können. Doch Nachdenken besteht aus „nach“ und „denken“. Nach bedeutet ich bin schon mal hinterher, nicht up to date. Und denken wissen wir findet im Verstand statt. Somit heißt „Nachdenken“ etwas im Verstand im Nachhinein erfassen, ein Reagieren auf Erfahrungen aus der Vergangenheit (und alles was nicht in diesem Moment passiert ist Vergangenheit, selbst das Wort, das du gerade gelesen hast).

Entwicklung: Dieses Wort hat eine ähnliche Bedeutung wie ich dies schon beim Lehrer beschrieben habe. Wir meinen oft, dass es für die Entwicklung notwendig ist Erfahrungen und Wissen anzuhäufen. Doch eigentlich bedeutet Entwicklung „auswickeln, wegnehmen“. Und wenn wir entwickelt sind, sind wir frei von allem Ballast. Doch in unserer Gesellschaft ist Entwicklung oft gleichbedeutend mit dem Gegenteil: Ballast anhäufen. Je mehr desto besser! – Ist in Wirklichkeit nicht je „weniger desto besser“ näher am SEIN, näher am inneren Frieden?

Zweifel: Dieses Wort bedeutet man steht zwischen „zwei Fällen“. Man ist hin und her gerissen, weiß nicht wie man sich entscheiden soll. Meist stehen diese zwei Fälle für unsere zwei Entscheidungsinstanzen: dem Verstand und dem Gefühl. Wir kennen das alle; der Verstand sagt „JA“, das Herz sagt „Nein“ oder eben umgekehrt. Welcher Instanz sollen wir nun trauen. Du hast vielleicht auch schon bemerkt, dass im Nachhinein betrachtet die Entscheidung aus dem Herzen die Richtige war oder eben gewesen wäre. Warum ist das meist so. Weil das Herz, das Gefühl näher am SEIN ist. Der Verstand ist begrenzt und will mit seinen Entscheidungsvorschlägen immer nur das EGO füttern, sonst nichts. Wenn du also wieder mal vor der Wahl stehst „Herz oder Kopf“ bzw. „Gefühl oder Kopf“ kannst du davon ausgehen, dass das Gefühl immer näher am SEIN liegt, was auch immer der Verstand für Gegenargumente hat. Das Gefühl weiß, was dein LEBEN braucht, der Verstand kann nur wissen, was dein EGO braucht.

Allein: Das Wort „Allein“ hat für viele einen Geschmack von Getrenntheit - Nur ich, sonst niemand. Doch genau betrachtet heißt allein „All ein“. Also das genaue Gegenteil. Denn wenn dein wahres SEIN erkannt hat, dass es keine Getrenntheit gibt, dann ist man immer mit allem verbunden und somit immer mit allem SEIN verbunden. Somit steht Allein für das Allumfassende und nicht für das Allgetrennte.

 

Vielleicht hat dich dieser Artikel dazu angeregt genauer auf deine Wortwahl zu achten bzw. darauf zu achten was die Worte bedeuten die du wählst. Auf alle Fälle wünsche ich dir viel Bewusstheit bei deinen Gesprächen, sei es mit anderen oder auch mit dir selbst, vor allem mit dir selbst. Welche Wörter kommen in deinen Geschichten, deinen Glaubenssätzen so vor. Betrachte mal deren Bedeutung.

 

Namaste

Anutosho

 

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