Warum sind Deine Kinder hier?

Dieses Thema ist für mich ein besonderes Anliegen und Bedürfnis. Da ich selbst Mutter von Zwillingen bin, kann ich besonders hautnah über dieses Thema schreiben. Ich bin der Meinung, dass wir alle in Bezug auf Kinder umdenken müssen und zwar so rasch wie möglich. Im eigenen Interesse möchte ich Sie bitten die folgenden Aussagen für sich selbst zu beantworten und zu überdenken.

 

- Kinder sind hier, weil durch sie erst aus Mann und Frau eine Familie wird.

- Unser Kind ist auf der Welt, weil wir nicht an die nötige Verhütung gedacht haben.

- Kinder sind hier, damit die Frau sich aus dem Berufsleben zurückziehen konnte.

- Kinder sind hier, damit wir, wenn wir alt sind, nicht völlig allein sind.

- Kinder sind hier, da wir einen Nachfolger für unser Geschäft bzw. für unseren Betrieb brauchen.

- Kinder sind hier, weil unsere Verwandten und Bekannten schon fragten, ob wir denn zeugungsunfähig wären.

 

Warum sind Ihre Kinder hier?

Ich habe sooft das Gefühl, dass die Menschen sich vorher nicht richtig überlegen, welch großartige, aber auch oft schwierige Verantwortung man sich durch ein Kind auferlegt. Ein Baby zu haben ist ja sehr reizvoll, man kann es knuddeln und liebkosen, jedermann lächelt ein Baby an, man ist stolz mit einem Baby.

Wenn dieses süße, knuddelige Baby aber größer wird, seinen eigenen Willen versucht durchzusetzen, beginnt auf eigenen Beinen zu stehen und anfängt "NEIN" zu sagen, verliert das Umfeld sehr oft das Interesse an diesem Geschöpf. Im Geschäft zum Beispiel wurde vor einem Jahr das Baby bewundert und angelächelt, nun aber erforscht dieses junge Wesen eigenwillig seine Umwelt, versteht nicht, warum man dieses oder jenes nicht anfassen darf und antwortet gegen diese Einschränkung mit Gebrüll. Nun bekommt die Mutter empörte Blicke zu spüren und ist nun nicht mehr so stolz auf ihren Sprössling wie vor einem Jahr. Und da beginnt nun eine Zeit, die eben nicht so einfach ist, da wir unsere Mitmenschen als Richter zu spüren bekommen. Unsere Mitmenschen , die

- alles besser wissen.

- selbst so etwas nie durchgehen hätten lassen.

- vergessen haben, dass jeder Mensch einmal Kind war.

- keine Geduld und Nerven mehr haben.

- noch das Erziehungsmodell in sich haben, wonach ein Kind zu parieren hat und man       dem Kind zeigen muss, wer hier das Sagen hat.

 

Jetzt haben wir Eltern zwei Möglichkeiten:

A:

Wir erziehen unsere Kinder, wie man es von uns verlangt, auf Biegen und Brechen. das berühmte "Musterkind", das funktioniert wie eine Marionette, dessen eigenes Ich unterdrückt wird, das lieb und brav ist, mit dem man in der Gesellschaft prahlen kann.

 

Oder B:

Wir sehen in unserem Kind ein eigenständiges Wesen, das ja von Geburt an vollkommen ist. Wir lassen unserem Kind den nötigen Spielraum, den es so dringend für seine Entfaltung braucht. Wir haben Vertrauen in unser Kind und lassen ihm das auch spüren. Wie betrachten unser Kind als gleichwertig und sind auch bereit von unserem Kind zu lernen.

Viele Menschen werden jetzt denken "Was soll ich denn von einem kleinen Kind lernen, das ist doch absurd". Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, wie viel ich von meinen Kleinen lernen kann. Zum Beispiel den Sinn für Kleinigkeiten. Ein Kleinkind ist fasziniert von einem Stein und was man damit alles machen kann. Oder eine Ameise oder eine Fliege fesselt ein Kleinkind. Aber auch der Wind, die Wolken, eine Blumenblüte - all das, was wir längst nicht mehr beachten oder über das wir uns Gedanken machen, wie schön solch kleine Dinge eigentlich sind. Aber auch die Gefühlswelt eines Kindes ist es wert, dass wir unser eigenes Reagieren überdenken. Kein kleines Kind ist zum Beispiel nachtragend und wenn ich noch so wütend zu meinen Kindern war, ein paar Augenblicke später sind sie zu mir gekommen, als ob nie etwas vorgefallen wäre. Erst wenn sie größer werden, lernen sie dieses nachtragend sein von uns.

 

Kinder sind der Spiegel der Eltern!

Dieser Spruch ist es auf jeden Fall wert, dass man sich dazu ein paar Gedanken macht, denn er trifft zu hundert Prozent zu. In den Kindern finden wir alle unsere Eigenschaften wieder, die positiven, wie auch die negativen, nur fällt es uns schwer, das zuzugeben. Wir glauben unsere Kinder erziehen zu müssen, formen zu müssen.- Was für ein Irrtum!

Diese kleinen Wesen werden ja perfekt geboren, dem ist nichts hinzuzufügen, im Gegenteil, ich möchte sogar sagen, je mehr wir versuchen zu formen, vom Perfekten wegzunehmen, umso mehr wird dieses göttliche Geschöpf verpfuscht.

Stellen wir uns einmal vor, wir stehen vor einem großen Spiegel, was sehen wir in diesem Spiegel, wenn wir hineinschauen? Uns! - Nicht mehr und nicht weniger. Schauen wir verärgert oder verängstigt hinein, dann können wir nur einen verärgerten oder verängstigten Menschen sehen, da kann man nichts verstecken oder verschönern. Wenn ich diesen verärgerten oder verängstigten Menschen aber nicht sehen will, welche Möglichkeiten habe ich dann? - Nur eine einzige. Ich muss fröhlich, liebevoll und selbstsicher hineinschauen. Ich selbst muss etwas ändern, ich selbst muss Taten setzen. Und genauso verhält es sich auch bei unseren Kindern.

Wenn ich selbst lebensfroh, lebensbejahend, fröhlich, ausgeglichen und mit mir im Reinen bin, dann kann mein Kind ja gar nicht anders, als genau diese Eigenschaften zu leben und zu zeigen. So wie wir es unseren Kindern vorleben, genau das spiegeln unsere Kinder wieder. Genauso wie ich das Spiegelbild nicht täuschen kann, genauso wenig kann ich meine Kinder verändern. Wenn wir das nämlich tun, sind unsere Kinder nur mehr Marionetten, die sich so verhalten, wie es uns passt, aber sie verlieren ihre eigene Mitte, ihr eigenes und einzigartiges "Ich".

Ich will damit nicht sagen, dass wir unsere Kinder haltlos und wild aufwachsen lassen sollen. Das einzige, das wir den  Kindern lernen müssen, sind Dinge und Regeln, die man einfach in einer Gesellschaft einhalten muss, oder Regeln, die zum Schutz des Lebens da sind, wie zum Beispiel Verkehrsregeln, damit sie einfach bei Rot nicht über die Straße laufen. Wenn wir unsere Kinder genau beobachten, so sind genau die Eigenschaften, die uns an unseren Kindern am meisten stören, doch sie Eigenschaften, die, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, auch bei uns sehr stark ausgeprägt sind. Sobald wir das erkannt haben, kommen wir nicht drum herum an uns zu arbeiten. Das ist der einzige Weg, denn so wie der Spiegel uns genau zeigt wie wir sind, genauso werden sich dann auch unsere Kinder wandeln.

Wir dürfen es nicht soweit kommen lassen, dass sich unser Kind für die Grenzen der Eltern verantwortlich fühlt. Nicht das Kind hat beispielsweise durch seinen Lärm die Kopfschmerzen hervorgerufen, sondern wir selbst sind dafür verantwortlich, da wir versucht haben, den Lärm innerlich abzublocken, anstatt rechtzeitig mit dem Kind zu sprechen und ihm unser Bedürfnis nach Ruhe zu erklären und dann eine gemeinsame Lösung zu finden. Kinder werden mit Schuld beladen und überhäuft. Es ist ja viel einfacher jemand anderen die Schuld zuzuweisen und somit von unserem eigenen, belastenden Sein abzulenken. Es fällt uns noch immer schrecklich schwer, Kinder als gleichberechtigte Partner anzuerkennen, wir behandeln sie wie Menschen zweiter Klasse. Wir schreien sie an, überhäufen sie mit Verboten oder aber was noch schlimmer ist, wir lassen sie links liegen, beachten sie nicht und gehen auf ihre Bedürfnisse nicht ein.

 

Vieles machen wir unbewusst, weil wir es auch nicht anders gelernt haben, aber wenn du auch nur einen minimalen Prozentteil dessen, was du hier gelesen hast, annehmen und für dich untersuchen kannst, so ist damit der erste Schritt schon getan, der erste Schritt auf einen Weg, der zur Einsicht führt, dass wir kein Kind, keinen Partner oder keinen Mitmenschen verändern dürfen, sondern wir selbst müssen an uns arbeiten und unser Kind oder Partner wird sehen, was wir ihm vorleben und dann dementsprechend darauf reagieren. Ein weiterer Schritt in den inneren Frieden.

 

Namaste

Venu

 

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